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Tétradécathlon

7 Frauen, 1 Büssli, 49 Paar Schuhe im Gepäck und ein gemeinsames Ziel - So lautete die Ausgangslage unseres 14-Kampf Abenteuers. Wer nicht gerade am Steuer sass, konnte auf der rund vierstündigen Fahrt seine Wunschresultate festhalten, übernahm den Job des Djs oder des Navigators oder nützte die Zeit, um den Schlafmangel der vergangenen Woche aufzuholen. An diesem Freitagabend steuerten wir geradewegs das Leichtathletikstadion von Toul an, um unsere Startnummern abzuholen. Nicht nur die Felder im Allgemeinen, sondern auch das Stadion fanden wir in einem sehr dürren Zustand auf und Schattenplätze waren kaum vorhanden. Dennoch freuten wir uns, den Wettkampf mit Sonnenschein und warmen Temperaturen absolvieren zu können und waren froh, dass uns kein regnerisches oder kaltes Wochenende bevorstand. Als nächstes stand die Suche nach unserem AirBnB auf dem Programm, was sich schwieriger herausstellte als gedacht. Beim dritten Anlauf haben wir zwar unser angebliches Haus gefunden, wo uns jedoch weder einen Schlüssel noch einen Willkommensbrief oder die Besitzerin erwartete. Dank des detektivischen Gespürs Delphines war die Schlüsseljagd von kurzer Dauer. Doch beim Betreten der Wohnung war sich niemand mehr so sicher, ob wir tatsächlich das richtige Haus gefunden haben, sah doch alles so aus, als ob die Besitzer in jeder Sekunde zurückkommen würden. Tausend Fragen und Rätsel schwirrten uns durch den Kopf, was dazu führte, dass uns die ganze Situation an ein Escape-Room Erlebnis erinnerte - zu Suchen war beispielsweise das WiFi Passwort, ein möglicher Willkommensbrief, jegliche Küchenutensilien um unsere 3kg Pasta zu kochen, genügen Betten, etc. , was in den üppig dekorierten Räumlichkeiten und zwischen all den privaten Gegenständen gar nicht so leicht war. Die Müdigkeit, die Aufregung und den Hunger war allen anzumerken, so dass die Stimmung sehr ausgelassen war. Einige Pannen später und mit den abgepackten Pastasalat-Tupperware im Kühlschrank versorgt, schlief jede in ihrem zugelosten Bett innert Sekunden ein. Trotz des frühen Klingelns des Weckers am Samstag Morgen und der Verlockung, doch lieber am Tisch sitzen zu bleiben und zu brunchen, überwog die Vorfreude auf den ersten Wettkampftag. So luden wir alle unsere vollgepackten Taschen in das Büssli ein und fuhren kurz nach dem Sonnenaufgang durch die prärieartige Landschaft. Unsere Safari endete jedoch schon einige Minuten später auf dem Sportplatz. Bereits bei unserer Ankunft waren wir ein Blickfang - egal wohin wir gingen, alle drehten die Köpfe nach uns um. Nicht speziell wegen unserem Aussehen, sondern eher aufgrund unseres Auftretens. Eine derart grosse Gruppe an jungen Frauen, die zudem noch eine solch eigenartige Sprache sprechen, sticht unter all den anderen Athletinnen und Athleten sofort heraus. «Les bleus», «La bonne équipe» oder «Les Suisses qui rient» waren nur einige unserer Übernamen. Gemeinsam, und doch jeder für sich, meisterten wir die ersten 6 Disziplinen, welche an diesem ersten Wettkampftag zu absolvieren waren - 100m Hürden, Hochsprung, 1500m, 400m Hürden, Kugelstossen und 200m. Die Leistungen waren nicht immer zufriedenstellend, doch schlussendlich auch zweitrangig. Im Vordergrund stand das Zusammensein, der Spass und die Herausforderung, all die verschiedenen Disziplinen in diesem kurzen Zeitraum zu absolvieren. Mit müden Beinen genossen wir das offerierte Abendessen auf dem Sportplatz mit unserer neuen Bekanntschaft, einem 20-Kämpfer aus Schaffhausen, welchen wir zuvor lautstark in seinen Rennen angefeuert und motiviert haben. Der erste Tag hinterliess auch noch am nächsten Morgen seine Spuren - verkrampfte Muskelpartien, müde Beine, Verspannungen, Schmerzen, etc. Nichts desto trotz hiess es bereits wieder früh morgens aufstehen, Haare flechten, Beine tapen, packen, essen und losfahren. An diesem zweiten und letzten Wettkampftag standen folgende 8 Disziplinen auf unserem Programm: 100m, Weitsprung, 400m, Speerwurf, 800m, 200m Hürden, Diskuswerfen und der abschliessende 3000m. Auch hier hiess es noch einmal mehr, durchbeissen und weiterkämpfen, bis zum Schluss. Und so kam es auch dazu, dass alle ihren ersten 14-Kampf erfolgreich abschliessen konnten. Nach den letzten 3000m im Ziel angekommen, war die Erleichterung, Freude und ein gewisser Stolz in all unseren Gesichtern deutlich zu erkennen, stand die Teilnahme an diesem aussergewöhnlichen Wettkampf aufgrund der Coronakrise zudem doch so lange im Ungewissen. Am Ende durften Melina Stettler, Delphine Hess und Noémie Hess auf das oberste Treppchen in jeweils ihrer Alterskategorie steigen, auch wenn letztere aufgrund der schmerzenden Beine dabei auf die Unterstützung von ihren Mitstreiterinnen angewiesen war. Zudem wurde an die kategorienübergreifende Siegerin jeder einzelnen Disziplin ein «Holzklötzli» überreicht. 11 der 14 Disziplinen konnten die Athletinnen des AC Murtens für sich entscheiden. So kam es, dass Melina Stettler und Noémie Hess gerade je 5 Klötze mit nach Hause nehmen durften. Der schaffhausner 20-Kämpfer scherzte, dass es wohl schwierig werden könnte, mit so viel Gold und Schmuggelware über die Grenze zurück in die Schweiz zu kommen, als er uns mit vollgepackten Händen von Holzklötze und Medaillen antraf. Leicht war es nicht und doch bewies uns dieses Wochenende aufs Neue, dass man zusammen vieles meistern kann und auch zu mehr fähig ist, als man vielleicht von sich erwarten würde. Seine Grenzen kennenzulernen, diese manchmal auch auszutesten und den Durchhaltewillen nicht zu verlieren, ist eine Erfahrung, die wir an diesem Wochenende alle mitgenommen haben. Ganz nach dem Motto What doesn’t kill you makes you stronger !